Das historische Bahnbetriebswerk Zittau

Zittau - Stadt im Dreiländereck zu Polen und Tschechien. Neben den geographischen Besonderheiten liegt die Stadt inmitten einer reizvollen Landschaft, die von der Eisenbahn erschlossen wird. Das kleine aber feine Bahnbetriebswerk, angeordnet auf engstem Raum, hielt seit Jahrzehnten einen abwechslungsreichen Fahrzeugpark vor und dass auf zwei verschiedenen Spurweiten.

privilegierter Durchgangsverkehr

Privilegierter Eisenbahn-Durchgangsverkehr im Dreiländereck

Privilegierter Eisenbahn-Durchgangsverkehr (PED) ist Eisenbahnverkehr, der als Transitverkehr über fremdes Staatsgebiet erfolgt, ohne dass Zoll- oder Passkontrollen stattfinden. Der sogenannte „Korridorverkehr“ über deutsches und tschechisches Gebiet diente dem Durchfahren des jeweiligen anderen Staatsgebietes auf den Streckenverläufen aus der Vorkriegszeit. Es verkehrten Personenzüge, Schnellzüge und Güterzüge. Die Züge im PED hatten im jeweils anderen Staat keinen Verkehrshalt. Erst am 23. Mai 1982 erhielten die Züge der ČSD zwischen Varnsdorf und Liberec einen Verkehrshalt mit Pass- und Zollkontrolle in Zittau. Die Grenzabfertigung erfolgte auf dem Bahnsteigzugang in Zittau. Der Verkehrshalt in Varnsdorf für die Züge zwischen Seifhennersdorf und Großschönau wurde erst nach 1990 eingerichtet. Entlang der Strecke Varnsdorf–Großschönau–Zittau und weiter nach Liberec bestand der PED ab 1951 für Reisende aus der Tschechoslowakei (später Tschechien) über deutsches und für Reisende zwischen Seifhennersdorf und Großschönau über tschechisches Gebiet. Zusätzlich verläuft die Bahnstrecke Zittau–Liberec seit 1945 im Bereich der Gemeinde Porajów (Großporitzsch) über polnisches Territorium. Der Schienenverkehr zwischen Großschönau und Varnsdorf sowie Seifhennersdorf und Varnsdorf wurde nach dem zweiten Weltkrieg erst einmal eingestellt. Erst 1951 konnte er nach den Regeln des PED wieder aufgenommen werden. Wenn zwischen Großschönau und Zittau Bauarbeiten stattfanden, fuhren die „Korridorzüge“ sogar von Varnsdorf über Eibau nach Zittau. Die nachfolgenden Bilder zeigen einige „Korridorzüge“ in Großschönau und die Umleiterzüge in Eibau. Herr Kunze und Herr Adam haben dazu schöne Bilder zur Verfügung gestellt.

Eine ungewöhnliche Fuhre hat hier in Zittau Ausfahrt. Ein Triebwagen der CSD Baureihe M152 schleppt einen Beiwagen der Baureihe M240 am Stellwerk W4, gegenüber dem Bw Zittau, vorbei Richtung Mittelherwigsdorf. Die Triebwagenbaureihen gehörten lange Zeit zum alltäglichen Bild auf den PED-Strecken in der Oberlausitz.

 

Es gab sogar CSD-Schnellzüge in Großschönau. Hier kommt eine CSD-Baureihe 478.3 mit dem D-Zug von Pilsen nach Liberec auf Gleis 2 angerollt. Der Zug verlässt in Kürze das Bahnhofsgelände und wird über Mittelherwigsdorf Zittau erreichen. Die in den 70er Jahren gebauten Loks trugen wegen ihren markanten Frontfenstern auch den Spitznamen „Brillenschlange“ oder „Taucherbrille“.

 

Die BR 556.0 der CSD fuhr auch auf der Strecke über Großschönau. Die Maschinen hatten damals bereits eine Stoker-Feuerung und einen harten Abdampfschlag, der in den Ortschaften weit zu hören war. Durch die geringe Achsfahrmasse von 16 Tonnen war die Lok auch auf den Nebenstrecken gut einsetzbar. Die schweren Sandzüge, wie hier im Bild, verlangten den Loks einiges ab. An den Steigungen in Richtung Großschönau waren die kräftigen Skoda-Loks viele Jahre ein gewohntes Bild. Das Foto wird wahrscheinlich in den 70er Jahren entstanden sein. Gleich fährt der Zug über die Waltersdorfer Straße und erreicht nach etwa 1,5 km in Varnsdorf wieder tschechisches Staatsgebiet.

 

An der gleichen Stelle wie oben kommt dem Fotografen diese Triebwagengarnitur entgegen. Die Baureihen M262 mit zwei M240 im Schlepp verlassen den Bahnhof Großschönau Richtung CSSR.

 

Etwa einen Kilometer weiter Richtung Varnsdorf, kurz vor der tschechischen Grenze, fährt dieser bunte Triebwagenzug an der Ortslage Großschönau entlang Richtung Varnsdorf. Er besteht aus einem M262, drei M240 und einem M152 am Zugschluss.

 

Im Folgenden sehen Sie einige der sehr seltenen Bilder von Umleitungszügen des Korridorverkehrs (PED-Züge) in Eibau. Wie bereits erwähnt, fuhren die tschechischen Züge bei Bauarbeiten zwischen Großschönau und Zittau über Eibau nach Zittau. Die Züge machten in Eibau „Kopf“ ohne umzuspannen. Bei Triebwagen war das kein Problem. Bei Schnellzügen bzw. Güterzügen wurde mit zwei Lokomotiven gefahren, eine vorn und eine  am Zugschluss. Im April 1986 hat der Schnellzug von oder nach Pilzen Einfahrt auf Gleis 3 in Eibau.

 

Hier steht im April 1986 eine CSD-Baureihe 478.3 an der alten Kopframpe auf Gleis 3 in Eibau. Wenn man genau hinsieht, könnte man denken, dass das Schlusslicht an der Lok noch brennt. Von hier aus fährt der Güterzug entweder über Oberoderwitz und Zittau nach Liberec oder über Seifhennersdorf nach Varnsdorf. Im Hintergrund sieht man noch den alten einständigen Lokschuppen. In diesem übernachteten die Reichenberger Personale mit ihren Loks. Sie kamen mit dem letzten Zug von Reichenberg und fuhren den ersten Personenzug in den Morgenstunden wieder nach Reichenberg zurück.

 

Auf Gleis 3 in Eibau steht im März 1984 ein CSD-Umleitungs-Triebwagenzug. Er besteht aus einem M262, zwei M240 und einem M152 am Zugschluss. Im Hintergrund steht noch der Eibauer Güterboden und das Ausfahrsignal G nach Neugersdorf.

 

Hier kommt im März 1984 der P6228, ein CSD-Umleitung-Triebwagenzug, kurz vor Eibau gefahren. An der Zugspitze läuft ein kleiner M131.1 (Hurvínek), im Schlepp drei M240. Der Zug hat gerade die Straßenbrücke nach Neueibau durchfahren. Unterhalb der Ortslage Neueibau nähert sich der Zug dem Einfahrsignal B des Bahnhofes Eibau.