Das historische Bahnbetriebswerk Zittau

Zittau - Stadt im Dreiländereck zu Polen und Tschechien. Neben den geographischen Besonderheiten liegt die Stadt inmitten einer reizvollen Landschaft, die von der Eisenbahn erschlossen wird. Das kleine aber feine Bahnbetriebswerk, angeordnet auf engstem Raum, hielt seit Jahrzehnten einen abwechslungsreichen Fahrzeugpark vor und dass auf zwei verschiedenen Spurweiten.

Das historische Bahnbetriebswerk Zittau

Eine kalte Zittauer 86er wird verschoben. Die 86 1337 wird von einer 52.80 gerade über die DKW in Höhe B7 in die Werkstatt Pethau geschoben. Das Bild wird Mitte der 1970er Jahre entstanden sein. Die Maschinen der BR 86 waren in Ostsachsen bis 1975 vor Personenzügen und Nahgüterzügen im Einsatz (Bw Zittau und Est Löbau des Bw Bautzen). Die Schublok nimmt gerade ordentlich Schwung um die kalte 86er den Berg zur Werkstatt hochzuschieben.

 

Die Dieseltraktion hatte nach dem Ausmustern der Länderbahndampfloks auch im Bw Zittau die Mehrheit der Zugleistungen übernommen. Nur die BR 52 konnte sich ab Anfang der 70er Jahre noch behaupten und leistete im Güterzug -und Personenzugdienst noch viele Jahre treue Dienste. Erst Ende der 80er Jahre wurde die letzte Dampflok im Bw-Zittau abgestellt. Im Bild werden die Baureihen 110/112 und 118 im Bw Zittau versorgt. Die 118er auf der neuen Drehscheibe trägt eine sogenannte Sparlackierung. Das Bild entstand vermutlich zum Ende der 80er Jahre.

 

Buchempfehlung für Freunde der Eisenbahn in Ostsachsen

Im Herbst 2017 ist bei der Verlagsgruppe Bahn ein interessantes Buch über die Eisenbahnen in Ostsachsen erschienen. Es zeigt die Schienenwege zwischen Dresden, Görlitz und Zittau gestern und heute in herrlichen Bildvergleichen. Enthalten sind etwa 250 Abbildungen, die eindrucksvoll die Entwicklungen der ostsächsischen Eisenbahn der vergangenen sechs Jahrzehnte zeigen. Der Autor André Marks hat viele Informationen und Bilder zusammengetragen und beschreibt die Szenen im Buch eindrucksvoll.

 

Das Bw Zittau wurde im Jahr 1879 gegründet und bestand bis zum Jahr 1999.

In dieser Zeit erlebte das Bw Zittau eine bewegende Geschichte. Der Bau des 16ständigen Heizhauses begann bereits im Jahre 1875 im Auftrag der Königlich Sächsischen Staateeisenbahnen. Im Jahr 1900 beheimatete das Bw Zittau etwa 6 Lokomotiven der sächsischen Gattung III b sowie einzelne Exemplare der sächsischen Gattung II und VII. Die Baureihe 94.20 erreichte das Bw im Jahre 1908 mit einer Stückzahl von 3 Lokomotiven. Ab etwa 1911 wurde die Baureihe 75.5 das erste Mal im Bw Zittau beheimatet.

Im weiteren Verlauf waren viele verschiedene Dampflokbaureihen in Zittau beheimatet. Die bekanntesten Vertreter waren die preußische P 8 (BR 38.10-40), der sächsische Rollwagen (Baureihe 38.2), die Baureihe 58 (als sächs. XIII H und preuß G12), die Baureihe 75.5 (sächs XIV HT) , sowie die Baureihe 94.20 (sächs. XI HT) für den Rangierdienst auf dem Zittauer Bahnhof und den Streckendienst nach Großschönau und andere umliegende Orte.  Ende der 60er Jahre kamen auch Einheitsloks der Baureihe 52 als Kriegslokomotive – später auch die Reko-Variante, die Baureihe 64 und die Baureihe 86 in das Bw-Zittau.

Die gesamte Unterhaltung der Dampflokomotiven wurde dabei in den letzten Jahren  nicht im Lokschuppen des Bahnbetriebswerkes, sondern in der Lokwerkstatt Pethau durchgeführt. Dort befand sich eine 21,5 m lange Drehscheibe. Im Bw Zittau selbst, konnten die Dampflokomotiven der Baureihe 52 auf der alten 18m langen Drehscheibe nur mit ausgebauter vorderer Laufachse gedreht werden. Das betraf jedoch in der Regel nur die diensthabende Heizlok, zum Beispiel die 52 5137-6. (siehe Fotoseite unter Dampflok)

Dies änderte sich erst im Dezember 1989 mit dem Einbau einer größeren, 21,5 m langen Drehscheibe (siehe Diashow).

Dampflok-Sound: